Konflikte lösen statt verlagern

 
 

Sind wir noch mehr?

Über die Ereignisse in Chemnitz und die Stimmung bei uns vor Ort

 

Pressemitteilung, Hannover, den 13.09.18

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Ereignisse in Chemnitz haben uns Sozialdemokraten tief erschüttert. Da wurden Menschen gezielt gejagt und verfolgt, weil sie vermeintlich andersartig aussehen – und darum auch andersartig zu behandeln seien. Noch erschütternder ist da eigentlich nur die Reaktion unseren Heimatministers Seehofer für den die Migration „die Mutter aller Probleme“ darstellt und unsere obersten Verfassungsschützers Maaßen, der trotz Videobeweise und einer entsprechenden Anzeige einer Polizei nichts von Hetzjagden wissen möchte. Doch nicht nur im 350 Kilometer entfernten Chemnitz ist ein gesellschaftliches Gegeneinander statt Miteinander spürbar. Auch hier vor Ort werden die Stimmen immer lauter, die Neuzugewanderte nicht in ihrer Mitte haben wollen.

Das haben wir deutlich bei der letzten Bezirksratssitzung am 23. August gespürt, wo die Containerunterkunft in der Petit-Couronne-Straße, aber auch das Wohnprojekt Albrecht-Schaeffer-Weg, ein großes Thema war. Einige Anwohner hatten sich massiv über die dortigen Bewohnerinnen und Bewohner beschwert und den Wunsch geäußert, die Unterkünfte zu schließen bzw. zu verlagern. Auch die CDU hatte bezogen auf die Containerunterkunft einen entsprechenden Antrag vorbereitet. Natürlich haben auch wir reagiert und bereits vor der Sommerpause einen eigenen Antrag eingereicht, der zu einer Verbesserung der Situation vor Ort beitragen soll.

Unser Credo: Konflikte lösen statt verlagern

Denn auch für uns steht außer Frage, dass sich an Gesetz und Ordnung zu halten sein muss und für nachbarschaftliche Konflikte, Lösungen gefunden werden müssen. Doch Einrichtungen komplett zu schließen und Problematiken einfach zu verlagern, ohne den eigentlichen Ursachen nachzugehen, gehört nicht dazu. Schließlich ist unser Hannover auch so lebens- und liebenswert, weil hier Menschen aus aller Welt dezentral untergebracht wurden und viele „Alteingesessene“ ihre neuen Nachbarn freudig aufgenommen haben. Deswegen plädieren wir dafür mit Sozialarbeitern und Anwohnern, Verwaltung und den Betreibern der Unterkünfte bzw. des Wohnprojektes in einem beständigen Dialog zu stehen. Und miteinander statt übereinander zu reden. Von daher sind wir froh, dass unserem Antrag nun bei der Augustsitzung stattgegeben wurde, auch, wenn wir uns hierfür sehr viel Unmut und Missbilligung anhören mussten.

In diesem Sinne freuen wir uns auch bei den nächsten Bezirksratssitzungen, Menschen begrüßen zu dürfen, die unsere Haltung teilen und auch maßgeblich dazu beigetragen haben, dass die Neuzugewanderten sich gut einleben konnten oder können. Weil Menschen Ihnen die Hand gereicht, Ihnen bei den Hausaufgaben geholfen, Behördenbesuchen unterstützt oder Deutsch beigebracht haben. Und auch bei dem ein oder anderen Problem den Einzelfall bzw. den Menschen sehen statt alle über „einen Kamm zu scheren.“

Und übrigens: Auch zwischen Deutschen Nachbarn (mit und ohne Migrationshintergrund) knallt es häufiger mal. Laut einer Forsa-Umfrage hat sich knapp jeder zweite Deutsche (46 Prozent) schon einmal mit seinem Nachbarn gestritten. Streitigkeiten unter Anwohnern sind also kein Migrantenproblem, sondern ein zutiefst menschliches.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit

Maria-Theresa Eggers für die SPD-Bezirksratsfraktion